Der Staatsbesuch des mongolischen Präsidenten in Berlin

Der mongolische Staatspräsident Ukhnagijn Khürelsükh kam nach Berlin und mit ihm ein großer Strauß an Veranstaltungen zum deutsch-mongolischen Austausch in wissenschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht. Auch die DeMoGe konnte an diversen Veranstaltungen teilnehmen und die Besuche begleiten. Besonders erfreulich ist, dass der Staatsbesuch auch konkrete politische Ergebnisse brachte, beispielsweise durch den Abschluss von Vereinbarungen strategischer Partnerschaft (z. B. zu Visaerleichterungen und einem Sozialversicherungsabkommen).
Das kulturelle Highlight ist natürlich die neue Ausstellung „Dschingis Khan und die Welt der Mongolen“, die in der James-Simon-Galerie am 20.10.2026 feierlich eröffnet wurde. Seit dem Staatsbesuch des Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier in der Mongolei 2024 waren die Planungen im Gange und nun wird bis April 2027 die Ausstellung mit vielen Exponaten aus dem Dschingis-Khan-Museum in Ulan Baatar in Berlin zu sehen sein. Die Eröffnungszeremonie war feierlich und würdig, auch Dank der Musiker:innen und Tänzer:innen des großen Nationaltheaters für mongolische Kunst, die die Veranstaltung künstlerisch umrahmten (zum Abschluss begeisterte Ray Narandelger mit einer Verschmelzung klassischer und moderner mongolischer Musik). Mitglieder der DeMoGe, die sich für die Jahrestagung angemeldet haben, werden am 1. November die Gelegenheit haben die Ausstellung im Rahmen einer Kuratorenführung zu erkunden.


Der mongolische Staatspräsident und der deutsche Bundespräsident lobten die künstlerischen und kulturellen Verdienste um die Ausstellung. Professor Achim Bonte (Generaldirektor der Staatsbibliothek zu Berlin) begrüßte die Teilnehmer:innen und würdigte die diversen Mitwirkenden. Auch die Vortragsreihe der Staatsbibliothek zu Berlin „CrossAsia Talks“ derzeit mit einem Schwerpunkt rund um die Mongolei – die von unserem Vorstandsmitglied Antje Ziemer organisiert wird – wurde explizit erwähnt. Professor Matthias Wemhoff (Direktor des Museums für Ur- und Frühgeschichte) stellte in seiner Festrede lebendig das Ausstellungskonzept, die archäologische und wissenschaftliche Arbeit und die Aufwände der Umsetzung der Ausstellung dar. Besondere Bedeutung erlangte seine Festrede auch durch seine persönlichen Eindrücke seiner Mongolei-Reise, die er mit der Ausstellung verband. Wer die mongolische Steppe besucht hat, die:der fühlte sich durch seine Berichte sofort dorthin versetzt – und man verstand auch seinen ironischen Verweis, dass man sich auch in der Weite der Steppe stets beobachtet wähnt. Auch die Unterschiede zwischen europäischer und mongolischer Geschichte sprach er an und gab Einblicke in die unterschiedliche Forschungsarbeit und der Denkmalpflege. Während in Europa regelmäßig historische Elemente in Neubauten integriert wurden, verbleiben die historischen Objekte in der Mongolei oftmals in der Steppe an ihrem angestammten Ort.
Der Staatsbesuch bot eine Vielzahl weiterer Veranstaltungen, die aufgrund ihres Umfangs oft parallel stattfanden und auf die sich die diversen mongolischen Delegationen, deutsche und europäische Vertreter und Mitglieder der DeMoGe verteilten. Das Deutsch-Mongolische Wirtschaftsforum und die Sitzung des Deutsch-Mongolischen Wirtschaftsausschusses boten vielfältige Möglichkeiten des Austauschs zu wirtschaftlichen Themen. Diskutiert wurden u. a. die Möglichkeiten der näheren Zusammenarbeit und die Herausforderungen, z. B. wie deutsche kleine und mittelständische Unternehmen (statt großer Konzerne) in den wirtschaftlichen Austausch treten können und wie der Bildungsaustausch zwischen den Ländern abläuft. Weitere praktische Themen waren beispielsweise die internationale Logistik mit den eingeschränkten Handelsrouten oder die Bauplanung und -umsetzung. Auch die Handelsministerin S. E. Battsetsg Batmunkh stellte wichtige Impulse dar. Weitere Veranstaltungen waren insbesondere das Deutsch-Mongolische Wissenschaftsforum und die Verleihung von Orden. Besonders erfreut ist die DeMoGe darüber, dass mehrere ihrer Mitglieder geehrt wurden, denen wir hiermit herzlich gratulieren möchten.

Ein besonderes Highlight bot das Konzert „Beautiful Mongolia“ im Deutschen Theater Berlin, bei dem die Künstler:innen des nationalen Großtheaters für traditionelle Künste der Mongolei unter dem Dirigenten Munkbayar ein Konzert der Spitzenklasse boten. Neben dem Orchester gab es diverse Tanzdarbietungen und solistische Auftritte, natürlich auch einen Long-Song, Kehlkopfgesang und die Pferdekopfgeige. Nicht fehlen durfte die Brücke zur deutschen Kultur, mit einem Ausschnitt aus Beethovens „Ode an die Freude“ oder einen bayerischen Marsch – das Orchester zeigte auch hier, wie eindrucksvoll es sich zwischen den kulturhistorischen Welten bewegen kann.
Bericht: Dr. Matthias Lachenmann, Vizepräsident der Deutsch-Mongolischen Gesellschaft e. V.
